Gedächtnisstörungen und Demenz

Mit zunehmenden Alter und verschiedenen Risikofaktoren steigt das Risiko an einer Demenz zu erkranken. Bei über 80 Jährigen liegt die Häufigkeit von dementiellen Beschwerden bei ca. 30%.

Unter einer Demenzerkrankung versteht man das Nachlassen von kognitiven Funktionen mit Beeinträchtigung der Lebensführung. Zu den kognitiven Funktionen des Menschen gehören unter anderem Aufmerksamkeit, Denken, Erinnerung, Lernen, Kreativität, Planen und Orientierung.

Liegen zwar Störungen der kognitiven Funktionen vor, die Lebensführung ist jedoch noch nicht wesentlich eingeschränkt, wird häufig von einer milden kognitiven Beeinträchtigung gesprochen (engl. mild cognitive impairment, MCI).
Es gibt verschiedenen Demenzerkrankungen, wobei die beiden häufigsten die Alzheimer-Erkrankung und die vaskuläre Demenz sind.

Demenzerkrankungen beginnen meist schleichend und verschlechtern sich über Monate und Jahre.

Manche Demenzerkrankungen haben auch einen rascheren Verlauf (z.B. Creutzfeld-Jakob-Krankheit), mit einem deutlichen Nachlassen der kognitiven Funktionen innerhalb von wenigen Monaten.

Symptome einer Demenz können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Hier ist vor allem an das Parkinson-Syndrom, Störungen der Liquorzirkulation (Normaldruckhydrozephalus), Infektionen und Tumoren zu denken. Aber auch nach einem Schlaganfall, traumatischen Schädigungen, Entzündungen, Infektionen oder Bestrahlung des Gehirns können kognitive Störungen auftreten.

Auch bei depressiven Erkrankungen werden Störungen der kognitiven Funktionen häufiger beobachtet.

Für die Diagnose einer Demenz ist vor allem die Anamnese von Bedeutung.
Folgende Funktionen sind bei einer Demenz häufig gestört:

–       Gedächtnis (Termine werden vergessen, Sachen werden liegen gelassen, bekannte Informationen – z.B. Telefonnummer, Namen, Buslinie – sind nicht mehr erinnerlich)

–       Sprache (z.B. Wortfindungsstörungen, verlangsamte Sprache, gestörtes Sprachverständnis)

–       Aufmerksamkeit und Konzentration (z.B. leichte Ablenkbarkeit oder Konzentrationsfähigkeit nur für einen kurzen Moment)

–       Orientierung (zur Person, Ort, Zeit, Situation ist gestört)

–       Planung und Kontrolle von Handlungen und Verhalten (z.B. Aufgaben oder Aktivitäten können nicht mehr geplant werden, die Patienten werden ungeduldig)

–       Steuerung von Bewegungen (Verlangsamung von Bewegungen oder bestimmte Bewegungsabläufe können nicht mehr ausgeführt werden)

–       Persönlichkeit – z.B. Änderung des Verhaltens (Antriebsminderung, getrübte / depressive Stimmung aber auch Unruhe und akute Verwirrtheitszustände)

–       Psychotische Symptome (Verkennungen, Wahnvorstellungen, Realitätsverlust) können in fortgeschrittenen Stadien einer Demenz auftreten.

Für die nähere Einordnung der Demenz sind auch der Verlauf der Beschwerden, Informationen zu früheren Erkrankungen und deren Behandlung, eingenommene Medikamenten und Demenzerkrankungen aus der eigenen Familie wichtig.

Zusätzlich zu der Anamnese erfolgt eine neurologische Untersuchung um weitere Symptome oder Ausfallerscheinungen erfassen zu können.

Es gibt verschiedene Tests (Mini-Mental-Status Test, DemTect, Uhrentest), die in der Praxis durchgeführt werden können, und Hinweise auf Störungen der kognitiven Funktionen geben.

Bei der Erstdiagnose sollte auch immer ein MRT (oder CT) des Schädels erfolgen. Dort zeigen sich beispielsweise typische Veränderungen die auf chronische Durchblutungsstörungen hinweisen (z.B. bei der vaskulären Demenz) oder auch ein Verlust von Hirngewebe (Atrophie) in bestimmten Regionen.

Auch eine Labordiagnostik zum Ausschluss von Stoffwechselstörungen oder Vitaminmangelzuständen sollte erfolgen.
Das EEG kann Hinweise auf Störungen der Hirnfunktion geben und sollte bei der Abklärung einer Demenz durchgeführt werden.
Auch Durchblutungsstörungen des Gehirns sollten durch eine Ultraschalluntersuchung ausgeschlossen werden.
Manchmal kann die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich sein.
Die Therapie gestaltet sich nach der vermutlich zugrunde liegenden Ursache der Demenz.
Es gibt mittlerweile verschiedene Medikamente, die ein Fortschreiten der kognitiven Verluste verlangsamen können. Teilweise kommt es auch zu einer Besserung der kognitiven Leistung.
Auch Unruhezustände und Schlafstörungen können oftmals gut behandelt werden.
Zudem sollten Risikofaktoren – wie z.B. Bluthochdruck und Diabetes mellitus – optimal behandelt werden.

 

Plötzliche Gedächtnisstörung

Gedächtnisstörungen können auch plötzlich und ohne erkennbaren Anlass auftreten und mehrere Stunden anhalten. Man bezeichnet das als sog. transiente globale Amnesie (TGA) oder amnestische Episode(ins Alltagsdeutsch übersetzt: flüchtige Erscheinung mit Verlust des Gedächtnisses). Dieses Krankheitsbild kann auch jüngere Patienten betreffen.

Die Patienten sind dann ratlos, wissen nicht mehr genau, wo sie sind, empfinden die umgebende Situation als fremd, wissen auch nicht mehr, was sie kurz zuvor getan hatten oder was sie vorhatten. Häufig fragen die Patienten immer die selben Fragen. Alle Altdaten (d.h. frühere Ereignisse) sind jedoch vorhanden.

Das Bild ist in meistens gutartig und bildet sich in der Regel innerhalb von 24 Stunden zurück.

Die zugrunde liegenden Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt. Wahrscheinlich liegt eine Funktionsstörung des Schläfenlappens (an dem Ort, wo die Gedächtnisfunktion zu großen Teilen gesteuert wird) vor. Es ist jedoch noch unklar, ob Durchblutungsstörungen oder z.B. Mechanismen wie sie bei der Migräne vorkommen oder evtl. auch Abflussstörungen des venösen Systems ursächlich sind. Auch eine starke emotionale Belastung, als möglicher beeinflussender Faktor, wird diskutiert.

Obwohl die plötzlichen Gedächtnisstörungen mit einer guten Prognose einhergehen und sich im Laufe der Zeit in der Regel komplett zurückbilden, sollte nach Risikofaktoren für eine Minderdurchblutung des Gehirns oder nach anderen Ursachen für die Gedächtnisstörung gesucht werden.

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